Review zu „Dexter: new Blood“

by Pierre Wilke

Darsteller: Michael C. Hall, Jennifer Carpenter, Jack Alcott, Julia Jones, Johnny Sequoyah, Clancy Brown, Alano Miller

Dexter zu beschreiben: New Blood als Dexter Morgan, wie man ihn noch nie gesehen hat, zu beschreiben, wäre wohl eine Untertreibung. Kaum haben wir ein paar Szenen der Fortsetzung des (fast) gleichnamigen Erfolgsdramas aus den 2000er Jahren gesehen, werden wir mit dem erschreckenden Bild konfrontiert, dass Dexter Morgan glücklich bis ans Ende seiner Tage lebt.

Dexter (Michael C. Hall) hat einen Tagesjob, ein Leben, eine Verbindung zu einer Gemeinde (wenn auch einer kleinen), eine Freundin, die zufällig der Polizeichef ist, eine kumpelhafte Beziehung zum örtlichen Pfarrer und die Art von leichtem Charme, die einen glauben lässt, man sei versehentlich in eine Folge von einem normalen Drama geraten. Und zu allem Überfluss ist auch noch Weihnachten.

Natürlich dauert es unter der Führung von Autor/Produzent Clyde Phillips und Regisseur Marcos Siega nicht lange, bis sich die Fassade dieses scheinbar perfekten Drehbuchs zu den acht Staffeln von Dexter, die zwischen 2006 und 2013 ausgestrahlt wurden, langsam auflöst, wie eine Art grausiges Puzzle in umgekehrter Reihenfolge.

Wenn man bedenkt, dass wir alle diese 96 blutigen Episoden zusammen durchgemacht haben, weiß man mehr oder weniger, was auf einen zukommt. Und die Spannung ist von der ersten Einstellung an sehr groß. Überall gibt es Ablenkungsmanöver, die das Unbehagen noch verstärken sollen, so als wäre man auf Abwege geraten und in einem etwas erdigeren (und unendlich gefährlicheren) Twin Peaks gelandet.

Die ursprüngliche Dexter-Serie, die auf Jeff Lindsays Buch Darkly Dreaming Dexter basiert, folgte dem forensischen Blutspritzeranalytiker Dexter Morgan, der so etwas wie ein Doppelleben führt. Er verbringt seine Tage an Tatorten und arbeitet für das fiktive Miami-Metro Police Department, während er in seiner Freizeit Bösewichte zur Rechenschaft zieht, die dem langen, aber rechtlich und logistisch komplizierten Arm des Gesetzes irgendwie entkommen sind.

Dexter: New Blood nimmt die Geschichte mehr oder weniger in Echtzeit wieder auf. Fast ein Jahrzehnt ist seit der Serie und Dexters letztem „Mord“ vergangen, und er scheint ein anderer Mensch zu sein. Aber zu sagen, er leide an einer Art PTSD, ist nur die halbe Wahrheit. Der Kerl hat Albträume, wie man sie von Dexter kennt, die einen erschaudern lassen.

Die Serie ist mehr noch als die Originalserie, an die es anknüpft, eine Meisterleistung in Sachen Besetzung. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, ob der Grund, warum Dexter als Erzählung funktioniert, der ist, dass Hall mühelos naive Unschuld mit dem soziopathischen Horror eines amoralischen Killers verbindet, dann ist Dexter: New Blood ist die Bestätigung dafür.

Darüber hinaus hat man das Gefühl, dass die Serie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat: die Umkehrung dieser ganzen Prämisse. OK, es ist vielleicht etwas übertrieben, sich Dexter als reinen Helden in der Erzähltradition vorzustellen, aber es hat eine langsame und subtile Veränderung in der Natur der Bestie stattgefunden. Auf diesem quälenden Nadelkopf tanzt das Mosaik von Dexter: New Blood tanzt. Man weiß, dass er böse ist, und man will, dass er böse ist, aber gleichzeitig weiß man auch, dass er auf seltsame Weise heldenhaft ist. Und während man sich wünscht, dass die Geschichte einen immer näher an den Rand der Dunkelheit treibt, wünscht sich ein Teil von einem, dass der Volltreffer ein Stückchen Licht zum Vorschein bringt.

.

Episodenübersicht:

Disc 1
– Kältewelle
– Mega-Scheiße
– Rauchzeichen

Disc 2
– H heißt Held
– Runaway
– Zu viele Thunfisch-Sandwiches

Disc 3
– Haut auf ihren Zähnen
– Unfaires Spiel
– Der Familienbetrieb

Disc 4
– Die Sünden des Vaters

Bonusmaterial:
Warum jetzt?, „Dexter: New Blood“ seziert: Deb ist zurück, „Dexter: New Blood“ seziert: Der Mordraum, Alles auf den Tisch, Wendercover;

Bewertung:

4 von 5

.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.