Review zu DOBERMANN – Der Kultfilm mit Vincent Cassel als 2-Disc Limited Collector’s Edition

by Pierre Wilke

Darsteller: ‎ Vincent Cassel, Antoine Basler, Monica Bellucci, Tchéky Karyo, Colin Moss

Seit dem 17.12.2021 im Handel / DCM

Selten war ein europäischer Film so rasant, aggressiv und kontrovers – aber eben auch so intensiv wie DOBERMANN! Der französische Gangster-Kultfilm der 90er-Jahre mit Vincent Cassel und Monica Bellucci ist kompromissloses, knallhartes Actionkino á la Taratino.

Die Ansicht, dass nichts so erfolgreich ist wie Exzesse, scheint das Credo des niederländischen Regisseurs Jan Kounen zu sein, wenn man von seinem lauten und schrillen Spielfilmdebüt Dobermann spricht. Es beginnt damit, dass der Hund dieser Rasse über den Abspann uriniert, während Kounen eine auffällige Eröffnungssequenz aufbaut. Dabei handelt es sich um die Taufe des Babys Yann, das gerade von einem seiner Onkel eine Pistole geschenkt bekommen soll, als der Hund durch die Kirche schlingert und die Waffe in Yanns Kinderwagen fliegt.

Dieser Vorfall hatte eindeutig einen tiefgreifenden Einfluss auf Yann, denn als der Film um etwa 20 Jahre nach vorne springt, trägt Yann (gespielt von Vincent Cassell) nicht nur den Spitznamen Dobermann, sondern er und seine stumme Freundin (Monica Bellucci) führen eine kriminelle Bande.

Kugeln fliegen und die Gewalt wird immer geistloser und schockierender in den hektischen Folgen, die mit plumpen Verweisen auf so offensichtliche Einflüsse wie Quentin Tarantino, Luc Besson, Oliver Stone, Trainspotting und The Usual Suspects übersät sind. Leider erstrecken sich diese Einflüsse nicht auf Regisseur Kounen, der seinem Gore-Fest eine bemerkenswerte Substanz verleiht.

Optisch weiß die Kamera mit unwirklichen Nahaufnahmen, Schräglagen oder psychedelischen Videos auf TV-Bildschirmen zu gefallen, durch welche die Drogenexzesse versinnbildlicht werden. Weitere Finessen bestehen in Spielereien mit geteiltem Bildschirm, wilden Überblendungen und Schnitten, die so rasant beschleunigen wie der stolz präsentierte Lamborghini.  Gekrönt wird dieser Bilderrausch durch einprägsame Abschnitte wie das Geständnis des Strichers, die Motorradverfolgungsjagd oder das Tennisspiel.

Aufgrund solcher Alleinstellungsmerkmale erweist sich dieses Werk als „gut“ gemacht. Bei all den spektakulären, rasch erzählten Ideen gerät die routinierte Rahmenhandlung um einen Banküberfall und die anschließenden Verhaftungsversuche der Polizei zur Nebensache. Bis zur Listenstreichung 2011 war „Dobermann“ indiziert. 

Bonus

mit Poster; Audiokommentar; Making Of; Special Effects; vor den Dreharbeiten; Storyboard; Zusätzliche Szenen; Bildergalerie;

Bewertung

3 von 5

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